Offener Brief der International Adventure Park Association (IAPA e.V.)

International Adventure Park Association (IAPA e.V.) Vogelring 35 76751 Jockgrim
Jockgrim, den 04.05.2021


Offener Brief der International Adventure Park Association (IAPA e.V.)
an die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Angela Merkel,
die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder,
den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn,
die Gesundheitsminister und Gesundheitsministerinnen der Länder


Betreff: Betreiber von Kletterwäldern fordern die bundesweite Öffnung


Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn, sehr geehrte Damen und Herren Ministerpräsidenten, sehr geehrte Damen und Herren,


mehr als 100 Kletterwald-Betreiber Deutschlands haben sich bereits im 1. Lockdown in 2020 zusammengeschlossen und Betriebskonzepte erstellt, die einen sicheren Kletterwald-Betrieb unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln gewährleisten. Diese Konzepte haben sich im letzten Jahr bewährt. Es ist international kein einziger Fall bekannt, indem eine Ansteckung mit Corona in einem Kletterwald stattgefunden hat.


Im Moment haben wir bundesweit die Situation, dass einige wenige Kletterwälder öffnen dürfen, die meisten Betriebe aber mit völlig unterschiedlichen Begründungen der jeweiligen Ordnungs- und Gesundheitsämter geschlossen bleiben müssen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Schließung unserer Betriebe dem Infektionsschutz nicht dient.


Durch umfassende und erprobte Hygienekonzepte geht die Ansteckungsgefahr in einem Kletterwald mit Hygienekonzept gegen Null. Dieser Argumentation folgt auch der 13. Senat des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in seinem Eilbeschluss vom 30.04.21 über die vorläufige Außervollzugsetzung der coronabedingten Schließung von Klettergärten und Kletterparks in Niedersachsen. In der Pressemitteilung heißt es:
„Klettergärten und Kletterparks seien nach dem Begriffsverständnis des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 Corona-VO typischerweise im Freien gelegen. Der Klettersport als solcher sei ein Individualsport, der regelmäßig ohne Kontakte zu anderen Personen ausgeübt werden könne und auch ausgeübt werde. Daher bestehe von vornherein eine weitaus geringere Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 als in geschlossenen Räumen. Gefahrenerhöhende Situationen des länger andauernden Zusammentreffens einer Vielzahl von Personen unter Nichteinhaltung des Abstandsgebots könnten durch gegenüber der vollständigen Schließung mildere, aber gleichwirksame Maßnahmen vermieden werden.“ (https://oberverwaltungsgericht.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/vorlaufige-ausservollzugsetzung-der-coronabedingten-schliessung-von-klettergarten-und-kletterparks-199954.html)

Outdoor-Sport ist kein Multiplikator bei der Verbreitung von Corona. Vor allem nicht in Kletterwäldern. Führende deutsche Aerosol-Forscher haben mit einem offenen Brief an die Bundesregierung auf den Zusammenhang zwischen Ansteckungswahrscheinlichkeiten und dem Aufenthalt in geschlossenen Räumen hingewiesen. „99,9 % der Infektionen finden im Innenbereich statt und nicht außen“, so Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. Die Schlussfolgerung: Die Gefahr der Ansteckung lauert im Innenraum (https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/aerosolforscher-gefahr-corona-ansteckungen-100.html).


Klettern ist kein Treiber von Mobilität, dafür aber Förderer von mehr Beweglichkeit und Beschäftigung. Einer der meistgenannten behördlichen Gründe für die Schließung von Kletterwäldern ist es, damit die Mobilität der Menschen einzudämmen. Dem widerspricht aber, dass in fast jeder Region Deutschlands mehrere Kletterwälder zu finden sind und demzufolge die Besucher aus den regionalen Einzugsgebieten kommen. In Folge dessen, kommt es zu keiner Erhöhung der Mobilität durch Kletterwälder.
Laut dem Urteil des Verwaltungsgerichts „stehe dem auch nicht entgegen, dass das Klettern auch der Freizeitgestaltung sowie dem allgemeinen Wohlbefinden und Vergnügen diene. Dies sei eher Kennzeichnend für den Freizeit- und Amateursport“. (http://www.rechtsprechung.niedersachsen.de/jportal/portal/page/bsndprod.psml?doc.id=MWRE210001756&st=null&showdoccase=1) Trotzdem wird einem Großteil der Betreiber von Kletterwäldern der Betrieb untersagt, da diese auf einer Stufe mit reinen Freizeitanlagen wie große Themenparks und Indoorspielplätzen gesehen werden.


Klettern im Kletterwald ist Sport und hilft dem Erhalt von Gesundheit. „Sport ist natürlich kein Allheilmittel, kann aber essentiell zum Erhalt der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beitragen (https://www.swr.de/sport/hintergrund/kindersport-corona-100.html).“ Schwerwiegende gesundheitlichen Folgen von Bewegungsmangel, vor allem bei Kindern, muss vorgebeugt werden. Forschungsergebnisse einer amerikanischen Krankenversicherung haben einen deutlichen Zusammenhang von schweren Corona Verläufen und wenig Bewegung festgestellt (British Journal of Sports Medicine, 2021; DOI: 10.1136/ bjsports-2021-104080)
Das Ärzteblatt titelte vor wenigen Tagen: „Coronapandemie: Die Situation der Kinder spitzt sich jetzt dramatisch zu“ (https://www.aerzteblatt.de/archiv/218704/Coronapandemie-Die-Situation-der-Kinder-spitzt-sich-jetzt-dramatisch-zu) und nimmt dabei Bezug auf alarmierende Ergebnisse der ersten bundesweit repräsentative Studie, die die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00787-021-01726-5.pdf). Demnach müssen Gesundheitsförderungs- und Präventionsstrategien umgesetzt werden, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu erhalten, ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität zu verbessern und die durch COVID-19 verursachte Belastung zu mindern.


Weitere Sportmediziner werden laut. "80.000 Menschen sterben pro Jahr an Bewegungsarmut in Deutschland", sagte Perikles Simon, Leiter der Abteilung Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz und einer der renommiertesten seines Fachs. „Bewegung ist lebensnotwendig, Bewegungsarmut fördert Krebs- und Herzkreislauferkrankungen. Die Politik in der Pandemie ist aber darauf ausgerichtet, dass Bewegung eigentlich egal ist."

Aus Simons Sicht stimmt der generelle Kurs seit Längerem nicht mehr: „Wir fahren aus einem Angst-Level heraus nur auf Sicht – und das nun schon seit einem Jahr." Dabei schaue man nur auf das virale Geschehen. Es gebe aber Kollateralschäden. Bei diesen psychischen und physischen Erkrankungen spiele fehlender Sport eine Schlüsselrolle: „Die Volksgesundheit lässt sich nicht nur an den Kranken bemessen. Wir haben nicht nur für die erkrankten Menschen eine Verantwortung, sondern auch gegenüber den Gesunden. Dieser Gedanke kommt mir zu kurz. https://www.zeit.de/sport/2021-04/bewegung-corona-krise-kinder-jugendliche-sport-lockdown


Nach 16 Monaten Pandemie benötigen Menschen eine Perspektive. „Am ersten Öffnungswochenende im März 2021 stand eine Frau mit Tränen in den Augen vor mir“, so Raimund Bechtloff, Kletterwald Schwindelfrei. Sie habe sich gefreut, dass ihre Kinder endlich wieder Sport draußen machen können, im Wald, was nicht joggen oder wandern ist. Das Beispiel steht sinnbildlich für eine Generation im Lockdown, der eben nicht die Eigenverantwortung auferlegt werden kann, sich einfach mehr zu bewegen, denn die Realität ist anders. Jugendliche benötigen Anreize, Alternativen müssen her.


"Es fehlen viele Impulse, nicht nur für die gesundheitliche Entwicklung, auch für die kognitive und soziale Entwicklung", sagt Prof Alexander Woll, der seit knapp 20 Jahren darüber forscht, wie sich das Aktivitätsverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 17 Jahren verändert. Der Forscher vermutet außerdem, dass der Frust über die Gesamtsituation bei den Kindern und Jugendlichen gestiegen ist und sie deshalb weniger motiviert sind, sich zu bewegen. Die Folge: Die Alltagsaktivität sank von gut 107 Minuten vor dem Lockdown auf gut 61 Minuten im zweiten Lockdown, während die Bildschirmzeit in der Freizeit von 133 auf 222 Minuten anstieg (https://www.swr.de/sport/hintergrund/kindersport-corona-100.html).


UNSERE FRAGE: Warum haben bundesweit die meisten Kletterwälder immer noch geschlossen?


Klettern in Kletterwäldern ist Individualsport. Aber es herrscht Uneinigkeit bei der Definition von Individualsport. Die Corona Schutzverordnungen des Landes NRW greift unter Paragraph 9 diesen Punkt auf und lässt unter bestimmten Bedingungen den Betrieb von Individualsport zu. Eine Definition von Individualsport wird nicht gegeben.
Diese fehlende Definition führt in den verschiedenen Bundesländern zu unterschiedlichen Auslegungen, was sich selbst innerhalb eines Bundeslandes zeigt.
In Bayern und Schleswig-Holstein zählt klettern in einem Kletterwald zu „Individualsport“ und der Kletterwald darf als weitläufige Spotanlage öffnen. In Baden-Württemberg hingegen zählen Kletterwälder zu Freizeitanlagen (wie bspw. der Europapark Rust) und dürfen somit nicht öffnen.
In NRW kommen die Verwaltungsrichter bei der Einstufung von Kletterwäldern im Sinne der Corona-Schutzverordnung zu gänzlich unterschiedlichen Ergebnissen. „Während eine Kammer des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts vor wenigen Tagen zu dem Schluss gekommen war, es handele sich um Freizeitparks, die geschlossen bleiben müssten, kam nun eine andere Kammer desselben Gerichts zu einem genau entgegengesetzten Befund: Ein Hochseilgarten sei eine Sportanlage unter freiem Himmel und der Betrieb zulässig, wenn die Auflagen eingehalten würden (Az.: 26 L 693/21 und 29 L 705/21).“ (https://www.wn.de/NRW/4402528-Urteile-Auf-oder-zu-Richter-uneins-ueber-Kletterparks)

Damit sind die Klettergärten zu einem klaren Fall für das Oberverwaltungsgericht geworden: Dessen Aufgabe ist es, Einheitlichkeit der Rechtsprechung herzustellen.
Bis dahin müssen alle Kletterwald-Betreiber in NRW ihren Betrieb geschlossen halten, da im Anschluss der o.g. Urteilssprechung die CoronaSchVO NRW dahingehend geändert wurde, dass den Betreibern „der Betrieb von Hochseilgärten und Kletterparks“ trotz der vorangegangenen Argumentation untersagt.


UNSERE ANTWORT: Kletterwälder sind sicher.
• Alle Kletterwälder haben Konzepte zum Hygieneschutz entwickelt.
• Buchungen und Reservierung erfolgt bei den meisten Anbietern über Online-Buchungssysteme, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten und Besucherströme zu lenken.
• In vielen Anlagen erfolgt die Einweisung inzwischen über Video, um den Kontakt so gering wie möglich zu halten.
• Die Bereiche wie Kasse und Ankleidebereich sind nur mit Mund- und Nasenschutz zu betreten.
• Der Abstand, den die Gäste aufgrund von Corona halten müssen war auch schon vor der Pandemie in den Sicherheitskonzepten tief verankert, wie z.B. nur eine Person pro Kletterelement.
• Es ist international kein einziger Fall bekannt, indem eine Ansteckung mit Corona in einem Kletterwald stattgefunden hat (s. o.g. Quellen).
• Kletterwälder tragen maßgeblich zur Gesunderhaltung, sowohl physisch als auch psychisch, unserer Bevölkerung bei (s. o.g. Quellen).


WIR FORDERN: Bundeseinheitliche Klassifizierung aller Kletterwälder als Individualsport mit sofortiger Öffnung.

Kletterwälder sind keine Infektionsherde. Wir tragen zur Gesundheit unserer Bevölkerung bei. Wir können Arbeitsplätze erhalten. Wir schaden keinen Menschen, aber Millionen Menschen können wir helfen. Die Wissenschaft spricht für uns.


Jetzt liegt es an der Politik, an Ihnen, an diese Fakten die Gesetzeslage anzupassen.


Hochachtungsvoll,
Jochen Brischke,
Vorstand der IAPA e.V., im Namen aller Mitglieder


IAPA e.V. Telefon 0700 - 427 263 34 Bank VR-Bank Südpfalz
Vogelring 35 E-Mail office@iapa.cc IBAN DE80 5486 2500 0007 0487 42
76751 Jockgrim Webseite www.iapa.cc BIC GENODE61SUW
Vorstand: Jochen Brischke Amtsgericht Landau Pfalz USt-IdNr.: DE269805322
Stellv. Vorstand: Thomas Edlefsen VR-Nr.: VR 30461